Mit dem Jagdschein darfst du zwei Kurzwaffen erwerben. Aber wohin damit? Hier erfährst du, welchen Kurzwaffenschrank das Gesetz verlangt, warum Klasse 1 oft günstiger ist als Klasse 0 und ob dein vorhandener Waffenschrank vielleicht schon reicht.

Das findest du in diesem Artikel
Mit dem Jahresjagdschein darfst du zwei Kurzwaffen erwerben, ohne dass die Behörde dein Bedürfnis eigens prüft. So steht es in § 13 Abs. 2 WaffG. Einen Voreintrag in der Waffenbesitzkarte brauchst du trotzdem. Spätestens dann will die Waffenbehörde wissen, wo die Pistole später liegen soll.
Genau an dieser Stelle fangen die meisten an zu suchen. Und landen in Shops, die viel verkaufen und wenig erklären, teils mit Regeln, die seit Jahren nicht mehr gelten.
Die kurze Antwort: Für ein oder zwei Kurzwaffen samt Munition reicht rechtlich jeder zertifizierte Schrank nach EN 1143-1 ab Widerstandsgrad 0. Ich würde trotzdem Grad 1 kaufen. Er ist kaum größer, hält deutlich mehr aus und kostet bei kleinen Modellen oft weniger als ein vergleichbarer Grad-0-Schrank. Warum das so ist, worauf es bei Maßen, Schloss und Aufstellort ankommt und welche Modelle ich empfehle, steht unten.
Auf einen Blick
Maßgeblich ist § 13 der Allgemeinen Waffengesetz-Verordnung (AWaffV), zuletzt geändert am 11. Juli 2025. Für Kurzwaffen zählen zwei Dinge: der Widerstandsgrad nach der Europanorm EN 1143-1 und beim Grad 0 zusätzlich das Gewicht des Schranks.
Quelle: § 13 Abs. 2 AWaffV, zuletzt geändert am 11.07.2025.
Die 200 kg lassen sich nicht wegschrauben. In der alten Fassung der Verordnung durfte ein leichter Grad-0-Schrank auf zehn Kurzwaffen kommen, wenn seine Verankerung gegen Abriss einem vergleichbaren Gewicht entsprach. Diese Alternative gibt es in der aktuellen Fassung nicht mehr. Heute entscheidet allein das Gewicht des Behältnisses. Verankern solltest du trotzdem, aus anderen Gründen (siehe unten).
Nicht alles zählt mit. Wesentliche Teile wie Wechselläufe, außerdem Schalldämpfer und Nachtsichtvorsätze bleiben bei der Höchstzahl außen vor (§ 13 Abs. 3 AWaffV). Bei wesentlichen Teilen gilt das nur, solange sie zusammen keine schussfähige Waffe ergeben.
Ein Aufkleber reicht nicht. Der Schrank braucht eine Zertifizierung durch eine akkreditierte Stelle, etwa ECB-S oder VdS. Du erkennst sie an der Plakette innen in der Tür. Waffen gehören außerdem ungeladen hinein, das schreibt § 13 Abs. 1 AWaffV ausdrücklich vor.

Nicht unbedingt. Das sagt dir kaum ein Händler, aber es stimmt: Steht bei dir schon ein Waffenschrank nach Grad 0 oder 1 mit freiem Platz, darf die Pistole dort mit hinein. Ein eigener Kurzwaffenschrank lohnt sich trotzdem in mehreren Fällen. Such dir deine Situation heraus:
Der vorletzte Fall ist unterschätzt. Viele lösen das Schlüsselproblem beim Langwaffenschrank mit einem Versteck im Schlafzimmer. Ein kleiner Kurzwaffenschrank mit Code löst es sauber: Pistole, Munition und der Schlüssel zum großen Schrank liegen zusammen hinter einem Schloss, für das es keinen Schlüssel gibt, den man verlieren könnte.
Bei großen Langwaffenschränken trennen Grad 0 und Grad 1 schnell mehrere hundert Euro. Bei Kurzwaffenschränken sieht die Rechnung anders aus. Ein Blick in das Sortiment von TopTresore (Stand: 12.10.2026) zeigt es:
Preise bei TopTresore inkl. MwSt., Stand: 12.10.2026.
Die günstigsten Kurzwaffenschränke im Sortiment haben Grad 1. Beim Format-Paar KWT 1000 und KWT 1100, gleiche Größe und gleiches Gewicht, kostet der Grad-1-Schrank gerade 29 Euro mehr.
Dafür bekommst du zweierlei. Erstens die unbegrenzte Anzahl Kurzwaffen, falls aus zwei Pistolen irgendwann vier werden, etwa durch eine Erbschaft. Zweitens mehr Versicherungsschutz für Wertsachen: TopTresore nennt für Grad 0 privat in der Regel bis 40.000 Euro, für Grad 1 bis 65.000 Euro. Was davon für dich gilt, legt dein Hausratversicherer fest.
Mein Rat deshalb: Grad 0 nur dann, wenn ein ganz bestimmtes Modell perfekt in deine Nische passt und es kein vergleichbares mit Grad 1 gibt.
Außenmaße interessieren beim Aufstellen. Beim Einräumen zählt nur, was innen übrig bleibt, und da liegt die Tücke in der Tiefe.
Zum Größenvergleich: Eine Dienstpistole im Format der Glock 17 misst rund 20 cm in der Länge, knapp 14 cm in der Höhe mit Magazin und etwa 3,5 cm in der Breite. Jagdlich geführte Pistolen bewegen sich meist in dieser Größenordnung, ein Revolver mit langem Lauf liegt deutlich darüber.
Daraus ergeben sich drei Bauformen:
Zwei Dinge vergessen viele beim Ausmessen: ein Leuchtpunktvisier auf dem Schlitten und eine Waffenlampe. Beides kostet schnell zwei, drei Zentimeter. Miss deine Waffe also so, wie sie wirklich im Schrank liegen wird. Plane außerdem Platz für die Munition ein. Zwei Pappschachteln Pistolenpatronen und ein paar Packungen Büchsenmunition füllen einen kleinen Schrank schneller als gedacht.
Noch ein Tipp aus der Praxis: Lagere die Pistole nicht im Lederholster. Leder zieht Feuchtigkeit, und die landet auf dem Stahl.
Wenn mich ein Jungjäger fragt, welchen Kurzwaffenschrank er nehmen soll, nenne ich zuerst die safe4Gun-Reihe von ISS. Sie ist bei TopTresore auch der meistverkaufte Kurzwaffenschrank, und das hat Gründe:
Alle Modelle Grad 1 nach EN 1143-1 (ECB-S). Maße laut ISS-Datenblatt, Preise bei TopTresore inkl. MwSt., Stand: 12.10.2026. Es gibt zwei weitere Modelle bis 1,30 m Höhe.
Maße laut ISS-Datenblatt, Preise bei TopTresore inkl. MwSt., Stand 12.10.2026. Es gibt noch zwei höhere Modelle bis 1,30 m.
safe4Gun 1 ist der flache Schrank für ein bis zwei Pistolen. Mit 5,5 cm Innentiefe liegt die Waffe flach, Munition passt in kleinen Mengen dazu. Er verschwindet in jedem Kleiderschrank.
safe4Gun 2 ist für die meisten Jäger die richtige Wahl. Knapp 16 cm Tiefe reichen, damit eine Pistole flach auf dem Boden liegt. Der Fachboden schafft eine zweite Ebene für die zweite Waffe, daneben bleibt Raum für Magazine, Munition und den Schlüssel zum Langwaffenschrank.
safe4Gun 3 lohnt sich, wenn du jagst und zusätzlich sportlich schießt. Die sechs Halter nehmen die Waffen aufrecht auf, und die 30 cm Tiefe lassen Luft für Zubehör.
Ab safe4Gun 4 bist du bei Sammlungen und bei Nutzern, die im Schrank auch Dokumente oder Wertsachen unterbringen wollen.
Wer jeden Euro umdreht, schaut sich den Atlas Frankreich 10 an: Grad 1, 29 kg, Doppelbartschloss, 305,99 Euro. Wer ein Format-Produkt bevorzugt, findet im KWT 1100 einen guten Grad-1-Würfel mit 42 kg. Dort lag die Lieferzeit zuletzt bei vier bis fünf Wochen.
Viele Langwaffenschränke haben oben ein abschließbares Innenfach. Rechtlich ist dieses Fach bei einem Schrank nach Grad 0 oder 1 nichts Besonderes: Es zählt der Widerstandsgrad und das Gewicht des ganzen Schranks. Ein Grad-0-Schrank mit 150 kg fasst also höchstens fünf Kurzwaffen, egal ob sie im Innenfach liegen oder unten zwischen den Büchsen.
Anders ist es bei Altschränken der Stufe A mit eingebautem Innenfach der Stufe B. Für diese Kombination galten früher eigene Regeln, und sie gelten im Bestandsschutz weiter. Wer so einen Schrank hat, fragt am besten kurz bei der eigenen Waffenbehörde nach, statt einem Forum zu glauben.
Für den eigenen Kurzwaffenschrank spricht:
Für das Innenfach spricht:
Der beste Schrank nützt wenig, wenn der Schlüssel in der Sockenschublade liegt. Das Gesetz sagt zur Schlüsselaufbewahrung nur, dass du verhindern musst, dass Unbefugte an Waffen oder Munition kommen (§ 36 Abs. 1 WaffG). Was das im Einzelfall heißt, entscheiden Behörde und im Ernstfall ein Gericht. Ein Schlüssel, der für die Familie greifbar ist, gilt praktisch nie als ausreichend gesichert.
Aufpreise bei TopTresore, Stand: 12.10.2026.
Ich würde das Elektronikschloss nehmen. Die rund 110 Euro Aufpreis sind gut investiert, weil das Schlüsselproblem dann schlicht nicht mehr existiert.
Die Mehrbenutzer-Variante ergibt Sinn, wenn zwei Jäger im Haushalt leben. Jeder bekommt einen eigenen Code. Wichtig dabei: Code nicht aus Geburtsdaten basteln, Batterien einmal im Jahr tauschen, am einfachsten zum Beginn des Jagdjahres am 1. April, und niemand ohne eigene Waffenbesitzkarte erfährt den Code.
Eine Pflicht, den Kurzwaffenschrank zu verankern, steht nicht in der AWaffV. Trotzdem gehört er an die Wand oder auf den Boden geschraubt, aus zwei Gründen. Ein 30-kg-Schrank ist für einen Einbrecher schlicht Handgepäck: mitnehmen, in Ruhe aufflexen. Und viele Hausratversicherer verlangen bei leichten Tresoren eine Verankerung, sonst zahlen sie nicht. Die genaue Gewichtsgrenze steht in deinen Versicherungsbedingungen.
So machst du es richtig:
Der Schrank muss in einem dauernd bewohnten Gebäude stehen. Gartenhaus, Scheune oder die Garage auf dem Nachbargrundstück scheiden aus. Was dort gilt, steht im nächsten Abschnitt.
Jagdhütte. Sie gilt als nicht dauernd bewohntes Gebäude. Dort dürfen nach § 13 Abs. 4 AWaffV höchstens drei Langwaffen lagern, und zwar in einem Schrank nach Grad 1. Kurzwaffen sind in dieser Regel nicht vorgesehen. Abweichungen gibt es nur auf Antrag bei der Behörde. Die Pistole fährt also nach der Jagd wieder mit nach Hause.
Unterwegs. Für Hotel, Pension oder Auto gilt § 13 Abs. 9 AWaffV: Wenn eine Aufbewahrung nach den normalen Regeln nicht möglich ist, musst du die Waffe beaufsichtigen oder anders gegen Diebstahl sichern. Eine abschließbare Pistolenkassette mit Stahlseil, im Zimmer oder im Kofferraum am Rahmen befestigt, ist für die Nacht nach der Drückjagd eine sinnvolle Lösung. Ein Schrank nach EN 1143-1 ist sie nicht, sie ersetzt ihn auch nicht dauerhaft.
Partner oder Partnerin mit Waffenbesitzkarte. Berechtigte Personen, die in häuslicher Gemeinschaft leben, dürfen ihre Waffen gemeinsam aufbewahren (§ 13 Abs. 8 AWaffV). Ein Schrank reicht dann für beide, solange die Höchstzahlen passen. Leben Kinder oder andere Personen ohne Erlaubnis im Haushalt, dürfen sie weder Schlüssel noch Code kennen.
Wer eine Waffenbesitzkarte beantragt oder Kurzwaffen eintragen lässt, muss die sichere Aufbewahrung nachweisen (§ 36 Abs. 3 WaffG). Üblicherweise reichen:
Die Behörde darf außerdem vor Ort prüfen, ob alles so steht wie angegeben. Zutritt zu den Räumen, in denen Waffen und Munition liegen, musst du ihr dafür gewähren. Gegen deinen Willen betreten darf sie die Wohnung nur zur Abwehr dringender Gefahren. Wer die Tür verweigert, sammelt aber selten Pluspunkte bei der Zuverlässigkeit.
Alte Schränke der Stufe A und B. Wer einen solchen Schrank schon vor dem 6. Juli 2017 genutzt hat, darf ihn weiter nutzen (§ 36 Abs. 4 WaffG). Mitnutzen dürfen ihn auch berechtigte Personen im selben Haushalt. Erbt eine solche Person den Schrank, gilt der Bestandsschutz für sie weiter.
Daraus folgt ein Punkt, der beim Gebrauchtkauf viel Geld kostet: Ein gebraucht gekaufter Schrank der Stufe A oder B ist für dich wertlos, weil der Bestandsschutz an den bisherigen Besitzer gebunden ist. Gebraucht kaufen lohnt nur bei Schränken nach EN 1143-1 mit Plakette und Zertifikat. Prüf dabei, ob noch das zertifizierte Schloss verbaut ist. Wurde es gegen ein beliebiges Nachrüstschloss getauscht, kann die Einstufung erlöschen.
Hast du schon einen Waffenschrank nach Grad 0 oder 1 mit Platz, leg die Pistole dort hinein und spar dir den zweiten Schrank. Brauchst du doch einen, nimm einen kleinen Grad-1-Schrank. Für die meisten Jäger ist das der ISS safe4Gun 2 mit Elektronikschloss, fest an die Wand geschraubt.
Weiterlesen auf jagdjuenger.de: Welcher große Schrank zu dir passt, steht im Ratgeber Waffenschrank kaufen. Alles zu Zweitwohnsitz, Transport und gemeinsamer Lagerung findest du unter Waffenaufbewahrung, und wer die Munition getrennt lagern will, schaut in den Ratgeber zum Munitionsschrank.
Hinweis: Dieser Ratgeber ersetzt keine Rechtsberatung. Im Zweifel gibt deine Waffenbehörde verbindlich Auskunft. Stand der Rechtslage: Oktober 2026.
Dieser Ratgeber ist in Zusammenarbeit mit TopTresore entstanden. Die Einschätzungen und Empfehlungen sind meine eigenen.
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